b) Die automatische Vermittlung
Sie ist Tag und Nacht betriebsbereit und ermöglicht den Abonnenten, ihre Verbindungen in einigen Sekunden selbst herzustellen.
Die neue automatische Vermittlung wurde am 9. Juli 1959 in Betrieb genommen. Geliefert wurde sie von der Albis AG, Zürich, einer Tochterfirma von Siemens & Halske.
Im Zuge der Vereinheitlichung des Netzes hatte die Postverwaltung das sogenannte EMB-System von Siemens & Halske gewählt, das heute weltweite Anwendung gefunden hat.
Alle Telefonzentralen Luxemburgs arbeiten nach diesem System.
Ebenfalls im Zusammenhang mit der Vereinheitlichung erhalten alle Teilnehmer fünfstellige (seit kurzem auch sechsstellige) Rufnummern. Die beiden ersten Ziffern geben immer das Ortsnetz an. So erhielt Grosbous die Kennzahl 88. Bei fünfstelliger Rufnummer können also die Nummern 88000-88999 verwendet werden; die Zentrale Grosbous kann demnach 1000 Teilnehmer aufnehmen.
Bis jetzt ist sie erst für 700 Teilnehmer ausgebaut (Rufnummern 88000 88699).
Ihr Fassungsvermögen ist demnach zehnmal grösser als das der früheren Handvermittlung.
c) Die Telefonapparate
Die älteren Einwohner erinnern sich noch sicher an die massiven Holzkasten, aus denen eine Kurbel und ein Haken zum Aufhängen des Hörers herausragten.
Der in der Abbildung gezeigte Apparat zählt heute bereits zu den Liebhaberstücken. Dieses Modell (Baujahr 1904) war aus poliertem Nussbaumholz gefertigt; auf der abgeschrägten Platte konnte ein Schreibblock befestigt werden. Mikrofon und Hörer waren ursprünglich auch nicht zu einem Handapparat zusammengefügt, hierzu ging man erst gegen 1910 über.
Solche Geräte wogen etwa 7 kg, der moderne Apparat wiegt nur 2 kg.
Die Post bezog ihre Apparate damals vor allem von folgenden Firmen:
Schäfer & Montanus (diese Firma hatte die Post zuerst mit Telefonapparaten beliefert), Siemens & Halske, Bell, Atea, Ericsson.
Die Teilnehmer mussten "beim Herannahen eines Gewitters" ihre Apparate erden. Anleitungen hierzu waren im Teilnehmerverzeichnis nachzulesen.
Die Apparate waren massiv, aus vielen Einzelteilen von Hand zusammengesetzt und dementsprechend teuer in der Herstellung. Sie benötigten Unterhalt: von Zeit zu Zeit musste die Batterie ausgewechselt werden. (Heute steht diese Batterie für alle Teilnehmer gemeinsam im Amt)

d) Verbindungen zu andern Ortschaften.
Die ersten Fernsprechnetze waren reine Ortsnetze, d.h. über die Grenzen der Ortschaft hinaus konnte nicht telefoniert werden.
Die Verbesserung der Mikrofone und Hörer ermöglichte aber nach und nach diese Grenzen zu sprengen.
Grosbous war 1904 schon mit Ettelbruck, Rambrouch und Bettborn verbunden.
1947 bestanden folgende Verbindungsleitungen :
2 nach Ettelbruck
3 nach Bettborn
2 nach Redingen
Vor 1940 bestand noch eine Direktleitung mit Rambrouch. Zur Zeit der Handvermittlung waren folgende Dörfer ebenfalls direkt mit der Vermittlung in Grosbous verbunden:
Dellen,
Wahl,
Kuborn,
Brattert,
Heispelt,
Schandel.
Die Teilnehmer dieser Dörfer waren nicht direkt an den Klappenschrank in Grosbous, sondern an den Vermittlungsschrank ihrer "Cabine publique" angeschlossen. Eine Leitung dieses Schrankes führte jeweils zum Schrank in Grosbous. Somit war es möglich, Grosbous und damit Ettelbruck und Luxemburg zu erreichen.
Die öffentliche Fernsprechstelle ermöglichte auch den Personen, die keinen eigenen Anschluss hatten, am Fernsprechverkehr teilzunehmen; ausserdem hielt sie die Leitungskosten niedrig.
Eine Ausnahme bildeten die Teilnehmer Buschrodts: sie waren direkt an Grosbous angeschlossen.
Im Jahr 1970 war die automatische Zentrale von Grosbous durch 28 Leitungspaare mit Ettelbruck verbunden (14 in der einen, 14 in der andern Richtung).
Waren im Handbetrieb die 2 Leitungen nach Ettelbruck besetzt, so bestand die Möglichkeit, falls ein dringendes Gespräch zu führen war, nach Redingen und von da aus nach Ettelbruck verbunden zu werden. Solche Umwege waren zeitraubend und die Qualität der Verständigung wurde dadurch auch nicht besser.
Verbindungen nach dem Ausland waren schon seit der Einführung des Fernsprechdienstes möglich:
mit Belgien seit dem 10. Juni 1898
mit Frankreich seit dem 1. Februar 1900
mit Deutschland seit dem 1. November 1902
Diese Verbindungen wurden über Ettelbruck und Luxemburg hergestellt.
e) Wie war Grosbous nun von auswärts zu erreichen?
Vor 1922 (Datum der Automatisierung der Hauptstadt) mussten alle Teilnehmer die Verbindung bei ihrem Postamt anfragen.
Ein Luxemburger Teilnehmer z.B. wurde von Luxemburg nach Ettelbruck und von da nach Grosbous verbunden.
Ein Remicher Abonnent wurde erst nach Luxemburg, dann auf dem erwähnten Weg vermittelt.
Erst 1922 konnten die Teilnehmer der Hauptstadt die meisten Handvermittlungen durch Wählen einer dreistelligen Zahl erreichen:
Esch-Alzette 971,
Echternach 937,
Cap 985,
Ettelbruck 961 .. .
Die Verbindung zum Teilnehmer aber wurde wie bisher immer noch durch die Hand hergestellt.
Am 5. August 1941 war auch in Ettelbrück die Handzentrale durch eine automatische von Siemens & Halske ersetzt worden. Das Ortsnetz Ettelbruck erhielt jetzt die Rufnummer 02. Ein Luxemburger Teilnehmer erreichte den Ettelbrücker Teilnehmer 2397, indem er die Ziffern 02-2397 wählte. Die Handvermittlung Ettelbrück, die auch weiterhin. die Verbindungen nach Grosbous und anderen Handnetzen herstellte, war jetzt unter der Nummer 02-1 zu erreichen. Grosbous war aber auch über Redingen (9981) anzuwählen. In den 50er Jahren wurde die eine der beiden Verbindungsleitungen Grosbous-Ettelbrück an die automatische Zentrale Ettelbrücks angeschlossen. Der Vermittlungsbeamte in Grosbous konnte somit Teilnehmer von Ettelbrück, Luxemburg (Luxemburg war von Ettelbrück durch Wählen der Zahl 01 zu erreichen), sowie den an Luxemburg angeschlossenen Ämtern selbst wählen, was eine bedeutende Verringerung der Wartezeiten mit sich brachte.
Nach der Automatisierung von Grosbous verschwanden die erwähnten Handvermittlungen in den einzelnen Dörfern. Diese Teilnehmer wurden direkt an die Grosbouser Zentrale angeschlossen.
Heute führen die Verbindungen folgender Ortschaften über die Vermittlung in Grosbous:
Dellen,
Buschrodt,
Wahl,
Kuborn,
Brattert,
Heispelt,
Schandel,
Vichten,
Mertzig,
Michelbuch,
Grevels,
Rindschleiden.
f) Die Gebühren
Die Gesprächstaxen wie wir sie 1972 kannten, wurde erst am 15. Januar 1920 eingeführt. Vor diesem Datum war sie im Abonnementspreis einbegriffen. Allerdings musste sich der Teilnehmer verpflichten, seinen Apparat keiner fremden Person zur Verfügung zu stellen. Die Überwachung dieser Auflage war natürlich sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.
1908 kostete ein Hauptanschluss während der ersten 5 Jahre 100 Fr., während der folgenden Jahre 90 Fr.; die Erneuerung der Batterie wurde mit 2 Fr., ein zweiter Hörer mit 10 Fr. und ein Teilnehmerverzeichnis mit 1 Fr. berechnet.
Für den Teilnehmer war das Verzeichnis gratis.
1924 verlangte die Post mehr für ihre Dienste : ein Gespräch kostete 0,25 Fr., die Einrichtung eines Anschlusses je nach Ortschaft zwischen 80 und 150 Fr., die Erneuerung der Batterie 10 Fr., ein zweiter Hörer 60 Fr., der Tischapparat war 50 Fr. teurer als der Wandapparat ...
Das Telefon war damals ein Luxus, den nicht jeder sich leisten konnte. Deshalb finden sich in den alten Teilnehmerverzeichnissen auch fast nur Geschäftsleute, Verwaltungen und Freiberufliche.
Auch musste der Abonnent seine Telefonate während der von der Post hierfür vorgesehenen Dienststunden abwickeln, die sicher nicht immer seinen persönlichen Bedürfnissen entsprachen.
Folgende Dienstleistungen galten für Grosbous:
| Zeitraum |
Wochentags |
Sonn- und Feiertage |
| 1908 |
8-12 / 2-7 |
8-9 / 5-6 |
| 1914 |
8-12 / 2-7 |
8-10 / 3-6 |
| 1924 |
8-12 / 2-7 |
8-10 / 3-6 |
| 1937 (1.5. - 30.9) |
8 - 22 |
8 - 22 |
| 1937 (1.10 - 30.4) |
8 - 22 |
8-12 / 2-8 |
| 1954 (1.5 - 30.9) |
7 - 22 |
8 - 22 |
| 1954 (1.10 - 30.4) |
7 - 22 |
8 - 20 |
Im Jahre 1972 konnten wir, da die Automatisierung des Netzes seit 10 Jahren abgeschlossen ist, zu jeder Tages- und Nachtzeit sogar nach Amerika telefonieren, ohne auch nur einen Menschen zu bemühen.
Die Einrichtung eines Telefons ist heute für jeden erschwinglich, wie aus der stets wachsenden Teilnehmerzahl hervorgeht.
Fernziel der Postverwaltungen ist der weltweite Selbstwählverkehr. Die ersten Schritte hierzu sind bereits getan.
Georges Tock
(im Jahre 1972)

g) Auszüge aus dem Telefonbuch vun 1942
P.S. Unser Dank gilt oll jenen die zur Verwirklichung dieses Berichtes beigetragen haben.
Die Abbildung stellte freundlicherweise das Werner-von-Siemens-Institut München zur Verfügung. |
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